Bob Dylan in China
Im April 2011 gab Bob Dylan das erste Konzert seiner Karriere in China. Ort des Geschehens war das berühmte Arbeiterstadion in Peking. Die Erwartungen an ihn waren groß - wurden aber nicht alle erfüllt. Er verzichtete bei seinem Songrepertoire auf einige seiner berühmten Protestsongs. Dies brachte ihm harsche Kritik ein. Der allgemeine Tenor: Bob Dylan spielte nur ein zensiertes Programm ab, verzeichnete eine ausverkaufte Halle, nahm sich die kommunistische Gage und verschwand. Weiterhin wirft man ihm vor, dass er nicht einen Song gesungen hat, der auch nur annähernd regierungskritische Aspekte vertrat.
Andere Stimmen sagen, dass der 69-jährige Bob Dylan, der schon letztes Jahr in Peking auftreten wollte, damals aber eine Absage erhielt, dieses Mal eine Songliste beim zuständigen Kulturministerium einreichen musste, um die Zustimmung für ein Konzert in China zu erhalten. Als Auflage musste er sich verpflichten, sich voll und ganz an diese Liste zu halten. Kenner können Dylans Haltung verstehen. Es macht in ihren Augen wenig Sinn, in eine kritische Region zu reisen und dort mit Protestsongs noch mehr Unruhe zu stiften. Gleiches machte Bob Dylan auch schon auf seinem Konzert kurz nach dem Wegfall der deutsch-deutschen Mauer und beim Konzert vor dem Papst.
Die Texte seiner anderen Songs vermitteln aber auch so auf subtile Weise Dylans Haltung zur Regierung. So enthielt sowohl der Eröffnungssong des chinesischen Konzertes, Gonna Change My Way Of Thinking gewisse Stellen, die zweifelsfrei kritisch interpretiert werden können, wie auch sein Song A Hard Rain’s A-Gonna Fall, der ebenfalls am 6. April im Arbeiterstadion in Peking gespielt wurde. Bob Dylan ist im Übrigen nicht der erste Künstler, der auf einem Konzert in China Vorgaben der Regierung hinnehmen musste. Bereits 2006 mussten die Rolling Stones auf einige ihrer Songs verzichten, die sie im Gepäck hatten, um die Genehmigung zu erhalten, vor der chinesischen Bevölkerung spielen zu dürfen.